Gute Texte: Zwanzig Tipps für besseres Schreiben – Tipps 7 bis 9

Drei weitere Experten-Tipps für gute Texte:

  1. Verben statt Substantive
 Hier steht ein Baum. Dort steht ein Auto. Und da steht ein Mann. Die drei Sätze wirken statisch und wenig konkret. Verwenden Sie Verben, die Dynamik erzeugen: Hier wächst ein Baum. Dort parkt ein Auto. Und da wartet ein Mann. So einfach machen Sie Ihre Texte interessanter.
 Ersetzen Sie auch Substantivierungen wie das Erarbeiten, beim Aufbauen, durch Fokussieren oder gar dank dem Zustandekommen durch Verben. Vor allem Substantive, die auf -ung, -ein, -en oder -ion enden, sind meistens Langeweiler, die sich gerne durch Verben ersetzen lassen.
  2. Adjektive – ja oder nein?
 Auf folgende Adjektive können Sie gut verzichten: Floskeln und Klischees (einmaliges Erlebnis, gezielte Maßnahmen, scharfe Kritik, …), Pleonasmen (wie weißer Schimmel, konkrete Praxis oder innerer Kern, …), Superlative und Anhäufungen von Adjektiven (modernste Ausstattung, beste feinste Qualität etc., konkrete Beschreibung ist hier interessanter). Vor allem im persönlichen Schreiben ist man leicht verleitet, bewertende Adjektive anzuhäufen: gut, schlecht, fantastisch, grauenhaft, ekelhaft, widerlich, angsteinflößend, bewundernswert … All das sind persönliche Einschätzungen, die ohne ‘Faktenlage’ in der Luft hängen. Sie geben dem Leser keine Chance, sich selber ‘ein Bild zu machen’ von dem, was wir schreibend schildern. Diese Art von Text langweilt schnell, sowohl beim Lesen als auch beim Zuhören. 
Stattdessen: Sehen Sie sich den ‘inneren Film’ genau an und beschreiben Sie dann konkret, WIE die Dinge sind: kalt, warm, pink, tannengrün, duftend (nach was?), runzlig, hart, weich, feuerwerksbunt …
 Nützlich sind:
    Orientierende Adjektive. Sie dienen entweder der Bewertung oder der Unterscheidung: das blaue Kleid, das riskante Vorhaben, der spannende Thriller
    Illustrierende
    Adjektive. Sie machen Stimmung. Unerreicht der Satz aus der Süddeutschen Zeitung 2009, in dem ein Journalist den Ministerpräsidenten Seehofer heiratsschwindlerisch in alle Volksrichtungen grinsen ließ …
    Konditionierende Adjektive. Sie gehören zur Werbesprache: Texter verwenden sie, um Entscheidungen und Bewertungen des Lesers zu beeinflussen: ein verblüffend preiswertes Angebot, eine einmalige Gelegenheit
  3. Weglassen oder zumindest mit Vorsicht genießen
    Modalwörter: Wir können Ihnen helfen eventuell mehr zu verkaufen klingt weniger selbstbewusst als Wir holen Ihre Verkaufszahlen aus dem Keller. Der Einsatz von Modalwörtern wirkt nicht positiv in einem Werbeanschreiben. Schmeißen Sie Modalwörter so konsequent wie möglich aus Ihrem Vokabular: können, dürfen, müssen, wollen, sollen, mögen, schlechterdings, vielleicht, möglicherweise, glücklicherweise, leider, zweifellos, sicherlich, kaum, bestimmt, hoffentlich … Argumentieren Sie vor allem bei Werbeschreiben aus einer Position der Stärke. Das schafft beim Leser Sicherheit und Vertrauen.
    Füllwörter: Vermeiden Sie Wörter, die Ihre Sätze unnötig in die Länge ziehen. Streichen Sie sie aus Ihrem Text: in etwa, irgendwie, sowieso, ganz, etwas, eigentlich, nämlich, übrigens, also, auch, noch, demnach. So liest sich Ihr Text kürzer und knackiger. Irgendwie, sozusagen, ja nun, wirklich, grundsätzlich, gewissermaßen, selbstredend, schlichtweg, insbesondere, regelrecht, üblicherweise und überhaupt – wann immer möglich: solche Worte streichen! Wenn Sie das Gefühl haben, der Satz sei dann nicht mehr lang genug und brauche noch eine Vertiefung, dann ist er vielleicht ganz entbehrlich.
    Hilfsverben schränken ein, schwächen ab, spülen weich: können, mögen, sollen, dürfen, möchten, wollen, würden. Sie sind zwar nicht überflüssig, aber meist verwässern sie den Text, ohne dabei wirklich nützlich zu sein. Verben müssen zudem ‘schwitzen’, also bildhafte Tätigkeit ausdrücken. Vermeiden Sie also haben und sein so oft wie möglich. Fahren Sie ‘Papierverben’ zurück: führen, durchführen, erfolgen, bestehen, liegen, vorliegen, sich befinden, es geht um, ausgehend von

Tipps 10 bis 12 folgen …

2 thoughts on “Gute Texte: Zwanzig Tipps für besseres Schreiben – Tipps 7 bis 9

    1. Liebe Frau Müller,
      schön, dass Sie nachfragen. ‚Papierverben‘ sind Verben, die in erster Linie „fürs Papier“ geschrieben sind (z. B. erfolgen, bestehen, befinden, erwiesen) und selten in der mündlichen Sprache verwendet werden. Die Definition haben wir übernommen vom Schreibzentrum der Universität Jena. Falls Sie weitere Fragen haben, schreiben Sie uns gern!

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