Gute Texte: Zwanzig Tipps für besseres Schreiben – Teil 2

Mehr Experten-Tipps „Gute Texte: Zwanzig Tipps für besseres Schreiben – Teil 1“

  1. Weglassen oder zumindest mit Vorsicht genießen

Modalwörter: Wir können Ihnen helfen eventuell mehr zu verkaufen klingt weniger selbstbewusst als Wir holen Ihre Verkaufszahlen aus dem Keller. Der Einsatz von Modalwörtern wirkt nicht positiv in einem Werbeanschreiben. Schmeißen Sie Modalwörter so konsequent wie möglich aus Ihrem Vokabular: können, dürfen, müssen, wollen, sollen, mögen, schlechterdings, vielleicht, möglicherweise, glücklicherweise, leider, zweifellos, sicherlich, kaum, bestimmt, hoffentlich … Argumentieren Sie vor allem bei Werbeschreiben aus einer Position der Stärke. Das schafft beim Leser Sicherheit und Vertrauen.

Füllwörter: Vermeiden Sie Wörter, die Ihre Sätze unnötig in die Länge ziehen. Streichen Sie sie aus Ihrem Text: in etwa, irgendwie, sowieso, ganz, etwas, eigentlich, nämlich, übrigens, also, auch, noch, demnach. So liest sich Ihr Text kürzer und knackiger. Irgendwie, sozusagen, ja nun, wirklich, grundsätzlich, gewissermaßen, selbstredend, schlichtweg, insbesondere, regelrecht, üblicherweise und überhaupt – wann immer möglich: solche Worte streichen! Wenn Sie das Gefühl haben, der Satz sei dann nicht mehr lang genug und brauche noch eine Vertiefung, dann ist er vielleicht ganz entbehrlich.

Hilfsverben schränken ein, schwächen ab, spülen weich: können, mögen, sollen, dürfen, möchten, wollen, würden. Sie sind zwar nicht überflüssig, aber meist verwässern sie den Text, ohne dabei wirklich nützlich zu sein. Verben müssen zudem ‘schwitzen’, also bildhafte Tätigkeit ausdrücken. Vermeiden Sie also haben und sein so oft wie möglich. Fahren Sie ‘Papierverben’ zurück: führen, durchführen, erfolgen, bestehen, liegen, vorliegen, sich befinden, es geht um, ausgehend von …

  1. Wirksam: Reiz- und Schlüsselwörter

Manche Wörter gehen unter die Haut, sie erreichen unser Gehirn auf direktem Weg, haben eine ungemeine Attraktion. Solche Wörter heißen Reiz- oder Schlüsselwörter. Klug gewählt sichern sie Ihrem Text größere Aufmerksamkeit. Klassische Beispiele für Reizwörter sind Geheimtipp, Extra, Zusatzinfo, exklusiv, Letzte Gelegenheit, Erste Wahl. Setzen Sie sie geschickt und in Maßen ein, dann funktionieren sie. Tragen Sie also nicht zu dick auf.

Als Faustregel gilt: erst Inhalt und Qualität verdeutlichen, dann mit ein, zwei Reizwörtern den Effekt verstärken.
 Schlüsselwörter sind Wörter, die auf Werte, Vorlieben, Wünsche und Ängste des Lesers abzielen. (Die Marktforschung nennt diese unausgesprochenen Antriebskräfte Insights. Sie sind manchmal gar nicht so klar erfassbar, können eher intuitiv formuliert werden.) Sie hängen stark von der Zielgruppe ab, wie z. B. für bestimmte Menschen Gesundheit, Erfolg, Natur oder Zeit. Wenn Sie wissen, was bei Ihrer Zielgruppe eine hohe Wertigkeit genießt, können Sie im Text die entsprechenden Schlüsselwörter verwenden.

  1. Formulieren Sie aktiv, direkt und positiv

Viele Menschen benutzen den Passiv, weil er weniger verbindlich ist: Damit Ihre Projekte effizient realisiert werden. Besser klingt: Wir realisieren Ihre Projekte effizient. Im Aktiv klingt fast alles kürzer, klarer und freundlicher. Verzichten Sie auf ‘Vorreiter’ wie Es ist offensichtlich, dass … oder Die Idee ist, dass …

Auch doppelte Verneinungen lassen Sie lieber: Das soll nicht heißen, dass es grundsätzlich nicht möglich ist … Sie erschweren das Verstehen und bringen den Lesefluss ins Stocken. Positive Formulierungen sind besser: Dennoch ist es durchaus möglich …. (Die Füllwörter durchaus und grundsätzlich könnten wir uns hier sparen!).
 Bestimmte Worte und Formulierungen kommen bei (potenziellen) Kunden nicht gut an: müssen, sollen, veranlassen, aber, nur, erst, jedoch, hoffentlich, zu gegebener Zeit, gewähren, beachten, generell, leider. Formulieren Sie wenn möglich immer positiv, also statt: Vor Mittwoch können wir Ihnen die Unterlagen leider nicht zukommen lassen, z. B.: Sie erhalten die Unterlagen bis nächsten Donnerstag.

  1. Ein Gedanke. Ein Satz.

KISS = Keep it simple and short. Was ein guter, starker Satz ist, hat sich in tausend Jahren nicht geändert, meint der bekannte Stilist Wolf Schneider. Am schnellsten verarbeiten Leser Wörter mit höchstens sieben Buchstaben, Sätze mit 15 Wörtern und Absätze mit maximal sieben Zeilen. Außerdem: Im Hauptsatz liegt die Kraft! Das können zwei oder drei aneinandergereihte sein. Vermeiden Sie Schachtelsätze, eingeschobene Nebensätze. Schon Schopenhauer vertrat die Ansicht: Da der Mensch nicht zwei Gedanken auf einmal denken kann, soll man ihm auch nicht eine Phrase in die andere leimen. Der hat zwar lange Sätze geschrieben, aber so gut wie nie Nebensätze eingeschoben.

  1. Lebendige Stilmittel

Auch Sätze ohne Subjekt und Prädikat haben Daseinsberechtigung! Sie sind ein wirksames Stilmittel, können alleine stehen oder mit Doppelpunkt und Gedankenstrich, sie setzen auf kurze Sinneinheiten und bringen Schwung in Texte. Natürlich haben sie in formalen Texten wie Bewerbungen, Gutachten, Geschäftsberichten nichts zu suchen, in allen Texten allerdings, die trendbewusste Leser ansprechen, machen sie eine gute Figur. Beleben Sie Ihre Sätze mit Fragesätzen, direkter Rede, aktivierenden Aufforderungen, Ausrufezeichen und gelegentlichen Halbsätzen. Das macht den Text spannend, frisch und lebendig!

  1. Schreiben Sie für alle Sinne

Erreichen Sie Ihre Leser über alle ihre Wahrnehmungskanäle: den visuellen, den auditiven, den kinästhetischen, den olfaktorischen, den gustatorischen. Schreiben Sie, wie Dinge aussehen, wie sie klingen, wie sie sich anfühlen, wie sie riechen und wie sie schmecken. Beschreiben Sie nicht nur die Farbe einer Autotür, beschreiben Sie auch, wie es sich anhört, wenn sie ins Schloss fällt … Wenn Sie so allseits orientiert wie möglich schreiben, erreichen Sie die meisten Leser. Sehen Sie zu diesem Punkt auch Punkt 4: die linke und die rechte Gehirnhälfte!

  1. Ich, wir oder man …


Es ist gut, ein Bewusstsein darüber zu gewinnen, von welchem Standpunkt aus wir schreiben: Die Ich-Form zeigt persönliches Engagement und Identifikation mit dem Erlebten, mit dem wir verorten wir uns in eine Gruppe, die die Verantwortung trägt. Und hinter dem man kann jedwede Verantwortung versteckt bzw. ans große Allgemeine abgegeben werden.

  1. Wichtig: Stellen Sie den Nutzen heraus

Wer hat die besseren Chancen auf den Job: Frau sucht Putzstelle oder: Erfahrene Putzfrau bringt Ihre Wohnung auf Hochglanz?
 Darum geht es: Der Leser ist grundsätzlich an seinem Nutzen interessiert. Also fragen Sie sich immer: Welchen Nutzen, welche Chancen, welche Vorteile bieten meine Inhalte dem Leser in Bezug auf Anerkennung, Erfolg, Wissensvorsprung, Sicherheit, Wohlempfinden, Selbstverwirklichung, Zukunftschancen? Es geht darum, Nutzen darzustellen. Das funktioniert auch mit Mitteln wie Checklisten (geben Sicherheit), Tests (machen Spaß) oder Experteninterviews (geben das Gefühl von Insiderwissen). Extranutzen macht beliebt!
 Versetzen Sie sich in die Perspektive Ihres Lesers und fragen Sie sich vor dem Schreiben: Welche gezielten Impulse, Lösungen, Informationen, Vorteile kann ich ihm liefern?

Lernen Sie noch mehr Regeln kennen „Gute Texte: Zwanzig Tipps für besseres Schreiben – Teil 3

2 Gedanken zu „Gute Texte: Zwanzig Tipps für besseres Schreiben – Teil 2

    1. Liebe Frau Müller,
      schön, dass Sie nachfragen. ‚Papierverben‘ sind Verben, die in erster Linie „fürs Papier“ geschrieben sind (z. B. erfolgen, bestehen, befinden, erwiesen) und selten in der mündlichen Sprache verwendet werden. Die Definition haben wir übernommen vom Schreibzentrum der Universität Jena. Falls Sie weitere Fragen haben, schreiben Sie uns gern!

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